"Der Tochter etwas verbieten, um den Vater zu treffen" von Irene Steinlechner

Blogbeitrag zum Forum von ZADIG-WIEN mit dem Titel "WIR ALLE SIND EXILANTEN" am 6.4.2019

 

Die Debatte über das Kopftuchverbot in Kindergärten, das im Oktober beschlossen worden ist, beschäftigt mich. Seit ich einige muslimische Frauen aus dem Jemen kennengelernt habe, erlebe ich das Tragen des Kopftuches weniger fremd.

 

 

 

Im vergangenen Jahr wurde ein Kopftuchverbot für Mädchen im Kindergarten durch ein Gesetz beschlossen. In heftigen Diskussionen ist argumentiert worden, dass dies eine Sexuierung der kleinen Mädchen ist. Die Eltern, besonders die Väter, tradieren damit ihre orthodoxen islamischen Vorstellungen, sie fixieren den Platz der Mädchen, der Frauen. Es soll mit dem Verbot quasi den Vätern, die vermutlich strenger religiös sind, Einhalt geboten werden. Laut war die Idee. Mit dem Verbot würden die Mädchen darin unterstützt, sich gegen die paternalistischen Vorschriften ihrer Väter zu stellen.

 

Ich bezweifle, dass dieses Verbot zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung, Diskussion über orthodoxe religiöse Vorstellungen führen kann. Das segregative Verbot soll die Väter treffen, sie sollen bestraft werden. Hier werden über die Köpfe der Mädchen hinweg Konflikte ausgetragen. Das ist keine Kleinigkeit.

 

 

 

 Die Art, wie diese Kontroverse geführt worden ist, trifft mich persönlich. Nach der Scheidung meiner Eltern hat meine Mutter mir und meinen Geschwistern verboten, mit meinem Vater zu reden. Sie drohte, wer mit ihm rede, dürfe nicht mehr mit ihr zusammenleben. Vermutlich wollte sie mit dem Sprechverbot den Vater bestrafen.

 

Durch das Verbot war ich vom Ausgeschlossen-Werden bedroht. Es bewirkte zwischen meinen Geschwistern und mir ein Sprechverbot, isolierte mich, ich fühlte mich oft fremd, einsam.

 

 

 

Irene Steinlechner

 

Psychoanalytikerin in Neuen Lacan’schen Feld Österreich – Initiative Wien - Initiative der NLS

 

 

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