"Die Exilanten" von Miquel Angel Bassols

Blogbeitrag zum Forum von ZADIG-WIEN mit dem Titel "WIR ALLE SIND EXILANTEN" am 6.4.2019

 

 

Die Psychoanalyse ist eine Erfahrung, die Sprachen, Nationen und Identitäten durchquert. Die Geschichte der Psychoanalyse selbst ist geprägt von Exil und Migration, die ihre Praktizierenden sehr oft gezwungen haben, sich nach den Gegebenheiten von Kriegen und wirtschaftlichen Debakeln woandershin zu bewegen. Darüber hinaus macht eine Psychoanalyse immer und auf verschiedene Weise die Tatsache präsent, dass das Subjekt der Sprache und des Genießens von einem anderen Ort bewohnt wird – den Freud als das Unbewusste bezeichnet hat – und dass es daher immer das Land des Anderen bewohnt. So ist das Subjekt des Unbewussten ein Subjekt, das von sich selbst verbannt ist, von seiner Geschichte und von seiner Sprache. Es spricht immer eine barbarische Sprache in Bezug auf seine Familiensprache.

 

Aber es gibt in diesem strukturellen Exil des Subjekts des Unbewussten etwas, das nach Jacques Lacan immer wieder an seinen Platz zurückkehrt und sich nicht von sich selbst verbannen lässt. Es ist das Realste des Subjekts: „Denn für das Reale, was auch immer wir ihm antun können, ist es immer und auf jeden Fall an seiner Stelle, es klebt immer an der Sohle fest, ohne etwas davon zu wissen, was es davon verbannen könnte" (Écrits, Du Seuil, Paris, S. 25).

 

Es ist genau diese Realität, die sich nie ändert, die immer wieder an den gleichen Ort zurückkehrt, in einer unaufhörlichen Wiederholung, die am schwierigsten zu ertragen und auszuarbeiten ist, in der Erfahrung eines Exils.

 

 

Miquel Angel BASSOLS

 

Psychoanalytiker Barcelona

 

Mitglied der Escuela Lacaniana de Psicoanálisis (ELP-España), der École de la Cause freudienne (ECF-Francia) sowie in der World Association of Psychoanalysis (WAP). 

 

 

 

Übersetzung aus dem Französischen von Andreas STEININGER

 

 

 

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