Psychoanalyse ist politisch

Psychoanalyse ist politisch

 

Das Feld der Psychoanalyse ist dort, wo Menschen immer wieder scheitern, wo es hapert. Diese wiederkehrende Erfahrung von Ohnmacht und Mangelhaftigkeit hat nicht nur eine subjektive, sondern auch eine gesellschaftliche Dimension.

 

Lilia Mahjoub stellt fest: "Was in der Welt nicht funktioniert, was die anderen Diskurse nicht interessiert, das interessiert im Gegensatz dazu den Analytiker. Wir haben das kürzlich in Frankreich sehen können, wo sich maßgebliche Fragen der Gesellschaft, der Lebensweisen gestellt haben und wo manch einer den Kopf in den Sand gesteckt hat. Diese Vogelstrauß Politik würde sich nach Lacan zwischen 3 Partnern abspielen: Der erste, der den Kopf im Sand hat, der zweite, der glaubt unsichtbar zu sein, weil der erste seinen Kopf im Sand hat, während er sich schweigend vom dritten den Hintern rupfen lässt.  Sich dessen bewusst zu sein, und nicht drauf zu warten, gerupft zu werden, ist Jacques-Alain Miller sowie Psychoanalytikern der Ecole de la Cause freudienne, die einen Aufruf gemacht haben, um Schlimmeren einen Riegel vorzuschieben, nicht entgangen. Das ist ebenfalls psychoanalytische Praxis, auch wenn es denen nicht gefällt, die denken, dass es nicht die Rolle des Psychoanalytikers ist, Politik zu machen.“

Lilia Mahjoub hat am 09.09. „Über die Angst vor dem Fremden“ gesprochen und als Diskutantin fungiert.

Lilia Mahjoub ist Psychoanalytikerin in Paris. Sie ist Präsidentin der New Lacanian School (www.amp-nls.org/page/gb/22/the-school); Mitglied der Ecole de la Cause freudienne (www.causefreudienne.net) und Mitglied der World Association of Psychoanalysis (www.wapol.org/en/Template.asp).